MTX trotz mildem Uveitis Verlauf?

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    • MTX trotz mildem Uveitis Verlauf?

      Hallo zusammen,

      ich bin neu hier im Forum, aber nach Durchsicht der bisherigen Beiträge habe ich mich direkt verstanden gefühlt. Ich habe seit ca. 8 Jahren mit immer wiederkehrenden Iritis/Uveitis Entzündungen in beiden Augen zu tun. Die erste Entzündung hatte einen recht heftigen Verlauf, so dass Kortison gespritzt werden musste. Nachdem die Entzündung relativ bald wieder auftrat wurde festgestellt, dass ich HLA B27 positiv bin. Allerdings konnte ein Rheumatologe keine weiteren Anzeichen auf eine rheumatische Erkrankung finden. Seit dieser Zeit habe ich in regelmäßigen Abständen Iritis Entzündungen. Anfangs 2-3 mal pro Jahr in letzter Zeit jedoch häufiger. Zu meinem Glück hatten die Entzündungen jedoch immer einen sehr harmlosen Verlauf. Da ich inzwischen sehr sensibilisiert bin erkenne ich eine nahende Entzündung bereits sehr früh. Hierdurch konnten die Entzündungen durch das Tropfen von Inflanfran oder Pred Forte sehr schnell reguliert werden und ich bin in der Regel nach einigen Wochen tropfen wieder Entzündungsfrei.

      In letzter Zeit waren diese entzündungsfreien Phasen allerdings selten länger als 1-2 Monate, daher hat mein Augenarzt darauf gedrängt ich solle noch mal zum Rheumatologen. Dort wurde dann vor ca. 6 Wochen festgestellt (dank MRT der Kreuzdarmbeingelenke) dass ich Morbus Bechterew habe. Ich habe auch in der Tat immer wieder mit ausstrahlenden Rückenschmerzen zu kämpfen, allerdings war ich bisher davon ausgegangen dass diese Schmerzen mit einem Bandscheibenvorfall zusammen hängen, der vor ca. 3 einhalb Jahren diagnostiziert wurde. Zum Glück sind die Rückenschmerzen in der Regel durch Gymnastik und manchmal Schmerzmitteln sehr gut zu ertragen. Auch die vielzitierte "Morgensteifheit" kenne ich nicht. Ich bin auch noch relativ jung (31) und sportlich aktiv (vor allem Basketball). Jetzt aber zu meiner eigentlichen Frage:

      Meine Rheumatologin hat mir direkt nach der Diagnose empfohlen noch am gleichen Tag mit der Einnahme von MTX zu beginnen um die Iritis Entzündungen in den Griff zu kriegen. Sie hat mir kurz erklärt was es mit MTX auf sich hat und mir empfohlen am Besten nicht danach zu googlen und mich dann mit einem Merkblatt nach Hause geschickt. Ich war zugegebener Maßen etwas überrumpelt. Ich habe mich dann aber entschlossen nichts zu überstürzen und das Medikament noch nicht eingenommen, da es ja doch ein recht heftiges Mittel mit kräftigen Nebenwirkungen ist. Meine Frage an euch ist: Ist es üblich dass bei relativ harmlosen Iritis Verläufen sofort mit MTX begonnen wird?

      Ich beschäftige mich seit der Diagnose etwas genauer mit dem Krankheitsbild und setze mich mit ganzheitlicheren Ansätzen auseinander. Obwohl meine Rheumatologin behauptet dass eine Umstellung der Ernährung keinen großen Einfluss hätte, habe ich begonnen mich bewusster zu ernähren und vermehrt auf Fleisch zu verzichten, usw. Außerdem hatte ich bereits einige Termine bei einem Institut für Traditionelle Chinesische Medizin das Teil einer Uniklinik ist. Es ist natürlich noch viel zu früh zu sagen ob diese Therapie-Ansätze wirken, aber dennoch wollte ich nachfragen was ihr für Erfahrungen mit alternativen Therapien gemacht habt?

      Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für eure Antworten. :)
      Liebe Grüße
      Martin
    • Hallo Martin,

      herzlich Willkommen hier. Schön, dass du hergefunden hast und du dich hier wiederfindest. Wir haben neben der Uveitis die gleiche Grunderkrankung, ich habe auch Morbus Bechterew und bin auch Mitte Dreißig. Ich mache neben meiner schulmedizinischen Therapie viel alternativ, v.a. im homöopathischen und anthroposophischen Bereich, TCM habe ich früher auch schon genutzt, das war aber vor dieser Erkrankung.

      Deine Frage zu MTX ist sicher nicht ganz einfach zu beantworten. Wenn die Uveitis so häufig auftritt, dann ist MTX auf jeden Fall ein sinnvoller Versuch. Wenn du sie aber so schnell in den Griff bekommst, keine weiteren Komplikationen auftreten, kann ich auch verstehen, dass du eher skeptisch bist. Nur ist das Tropfen von Inflanefran natürlich auch nicht auf Dauer nebenwirkungsfrei, du bist noch jung und willst deine Augen sicher lange nutzen können und ob du MTX nimmst oder nicht, hängt vielleicht auch etwas von deinem subjektiven Leidensgefühl oder deiner beruflichen Situation ab. Den Morbus Bechterew scheinst du ja ganz gut im Griff zu haben. MTX wirkt leider auch nicht auf die Entzündungen im Rücken, sonst fiele die Entscheidung sicher leichter und du könntest zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der Versuch mit MTX wäre es aber schon wert, um im Idealfall die Entzündungen im Auge auf Dauer reduzieren zu können. Denn harmlos sind deine Schübe vielleicht schon, aber du hast sie sehr häufig und schon über mehrere Jahre, was für den Einsatz eines solchen Medikaments sprechen würde. Eine Wirkungsgarantie gibt dir niemand und ob du Nebenwirkungen haben wirst, siehst du erst, wenn du es ausprobierst. Aber statt Tabletten kann man MTX auch noch spritzen, was manche besser vertragen.

      Die Entscheidung wird dir sicher niemand abnehmen können. Die ist nicht ganz leicht zu treffen.

      Während der Uveitis spritze ich mir auch noch anthroposophische Mittel in der Hoffnung, dass sie unterstützend zum Tropfen und zum Prednisolon die Uveitis schneller verschwinden lassen, ich finde das ergänzend einen sehr guten Weg, bin aber auch der Meinung, dass das Augenlicht zu wertvoll ist, um parallel auf die schulmedizinischen Medikamente zu verzichten, aber bei mir sind die Schübe auch zu schwer, um auf starke Medikamente zu verzichten. Die alternativen Heilmethoden brauchen manchmal eine Zeit, um zu wirken. Auch da brauchst du Geduld und gute Ärzte. Es gab hier im Forum aber auch schon mal jemanden, der es allein mit alternativer Medizin geschafft hat, die Uveitis in Remission zu halten.

      Stressvermeidung und entzündungshemmende Ernährung sind natürlich auch noch Punkte, die sich positiv auswirken können, es gibt so viele Möglichkeiten, die du nutzen kannst und das tust du ja auch. Ganzheitliche Ansätze finde ich sehr wichtig.

      Ich würde dir empfehlen würde eine Uveitis-Sprechstunde an einer Uniklinik aufzusuchen und dort noch einmal eine Zweitmeinung einzuholen. Dein Augenarzt kann dich dorthin überweisen. Dort sind sie die absoluten Experten, sie kennen die Uveitis genau, können die Verläufe und die notwendigen Medikamente anders einschätzen, als ein Rheumatologe oder ein niedergelassener Augenarzt. Mir hat das die Entscheidung bezüglich meiner Therapie sehr erleichtert, ich habe in die Ärzte der Uveitis-Sprechstunde, in die ich gehe, sehr großes Vertrauen und sie haben meist noch weitergehende Therapievorschläge. Ein Versuch ist es wert und wenn dort auch MTX empfohlen wird, dann kannst du die Entscheidung vielleicht leichter treffen. Ob du jetzt oder in einem Monat mit MTX beginnst, ist sicherlich nicht so relevant, da du die Entzündungen schnell erkennst.

      Ich wünsche dir viel Erfolg. Falls du wegen des Morbus Bechterew Anschluss suchst, da gibt es auch ein Forum unter dvmb-forum.de. Regelmäßige Gymnastik und Sport sind da sehr wichtig, du solltest dir von einem Physiotherapeuten die wichtigsten Übungen zeigen lassen, damit du etwas gegen die Versteifung durch Entzündungen und für die Beweglichkeit tun kannst. Wenn du da Fragen hast, kannst du sie aber auch gerne hier stellen. Soweit ich kann, werde ich sie beantworten.

      Liebe Grüße
      Theechen
    • Vielen Dank für deine umfangreiche Antwort Theechen.

      Das mit der Uveitis Sprechstunde hatte ich tatsächlich auch schon ganz oben auf meiner Liste. Zum Glück habe ich sogar eine Uniklinik mit einer solchen Sprechstunde in Fußnähe. Wird also höchste Zeit dass ich da mal vorbei schaue. ;) Aber ich bin genau deiner Meinung dass es nie schaden kann ein Zweit-Meinungen einzuholen, zumal ich mit der Beratung meiner Rheumatologin eh sehr unzufrieden bin...